Pauluskirchturm

Aktuelles aus der Pauluskirche

Kanzelrede Gernot Voltz: Glauben Sie aus vollem Herzen - aber bitte nicht alles und jedem!

Kanzelrede gehalten am 19.2.2017 in der Pauluskirche Bad Godesberg im karnevalistischen Gottesdienst zum Abschuss der 3. kabarettistischen Glaubenswoche.

 

1) Begrüßung

Liebe Kirchgängerinnen, liebe Kirchgänger, liebe Freunde ich wünsche Ihnen einen wunderschönen Sonntag Vormittag. Mein Name ist Gernot Voltz und ich möchte mich als erstes für die Einladung bedanken, hier eine Gastpredigt halten zu dürfen.

Dies ist ein Karnevalsgottesdienst und Sie wissen wahrscheinlich, dass der Rheinische Karneval seit letztem Jahr immaterielles Weltkulturerbe ist. Die Städte Aachen, Düsseldorf, Köln und Bonn hatten sich zusammengetan und das beantragt und die UNESCO hat gesagt „Ok“. Kein Wunder, der rheinische Karneval ist einzigartig. Wo können sie mit einer roten Pappnase im Gesicht und einem Kuheuter aus Plastik auf dem Kopf 5 Tage lang betrunken durch die Straßen torkeln, ohne eingewiesen zu werden!

Und damit sind wir beim wichtigen Element des Karnevals, der Alkohol. Und wer jetzt sagt, Karneval geht doch auch ohne Alkohol, der glaubt auch, dass das Ordnungsamt einem die Küche aufräumt, wenn man da anruft!

Alkohol gehört dazu und das ist ja auch in Ordnung, wenn sie das wichtigste Gebot in den tollen Tagen beachten: Du sollst nicht eher brechen als deine Frau!

Stichwort Gastpredigt, meine Damen und Herren, das ist nur ein Platzhalter. Ich bin kein Prediger, ich bin Kabarettist und Autor – vielleicht kennen einige meine Kunstfigur Herr Heuser vom Finanzamt – und wenn ich auf die Bühne gehe, versuche ich, mein Publikum zu unterhalten, und das gerne auch mit Inhalten, die mir selber auf dem Herzen liegen.

2) Glauben und Populisten

Mein Beitrag war angekündigt mit dem Titel „Von Gläubigen und Gläubigern“, aber ich möchte heute von ersterem sprechen, vom Glauben. Ich denke, der ist wichtig, Glauben ist immer auch mit Hoffnung verbunden und ohne Hoffnung lässt sich nun mal schlecht leben und überleben. Also glauben Sie, glauben Sie aus vollem Herzen, aber bitte glauben Sie nicht alles und nicht jedem.

Glauben Sie vor allem nicht den Populisten, die zu Zeit aus allen Löchern kriechen.

Der weltweite Vorzeigepopulist ist ja zur Zeit Donald Trump. Wobei ich immer noch denke, bei der nächsten Pressekonferenz nimmt Trump vor laufender Kamera die Perücke ab und es stellt sich heraus, es ist doch Günther Wallraff!

Man kann es sich ja sonst kaum erklären, dass ein Steuerhinterzieher, ein Rassist, ein Frauengrabscher zum Präsidenten gewählt wurde. Und das, obwohl Hillary Clinton 2,9, Millionen Stimmen mehr hatte. Dieses Wahlsystem muss mir auch mal einer erklären.

Jetzt regiert er mit dem Kugelschreiber des Grauens, ein Sekret nach dem anderen wird unterschrieben, er findet Folter gut, will Abtreibung verbieten, lügt mit jedem zweiten Satz. Einen Einreisestopp hat er erlassen für Menschen aus 7 moslemischen Ländern. Syrien, Iran, Irak, usw. Ägypten und Saudi Arabien sind nicht darunter, warum? Ganz einfach, dort haben die Firmen von Trump Filialen, Hotels usw., er macht also in diesen Ländern Geschäfte. Das ist alle so durchsichtig. Trump regiert wie ein Gebrauchtwagenhändler, der den Leuten Autos ohne Räder verkauft mit dem Versprechen, sie würden nie wieder in ihrem Leben Benzin brauchen!

3) AfD

Trump ist im Grunde genommen AfD mit Toupet, er wurde aus Protest gewählt, auch die AfD bezieht ihre Wahlerfolge durch Protestwähler. In dem Zusammenhang, ein AfD-Mitglied wurde letztens gefragt, welches Wahlergebnis er denn nach dem zweistelligen Wahlerfolg der AfD in Mecklenburg für die Bundestagswahl erwartet? Seine Antwort: Vierstellig!

Leider ist es nicht immer so lustig bei der AfD, wenn ich an Frauke Petry denke, die über einen Schießbefehl auf Flüchtlinge an den Grenzen sinnierte, an Björn Höcke, der das Holocaust-Denkmal in Berlin als Schande bezeichnete. Speziell die beiden sollten mal lieber ihre Gehirnzellen überwachen, da scheinen tagtäglich welche zu fliehen!

Aber sie wurden von Protestwählern gewählt und diese Art von Protest verstehe ich nicht. Wenn mir im Restaurant der Wein nicht schmeckt, gehe ich dann auf die Toilette und trinke aus Protest aus der Kloschüssel!

4) Flüchtlinge 1

Glauben Sie also bitte nicht den Populisten von der AfD, vor allem wenn sie verkünden, die Flüchtlinge bedeuten für uns den Untergang des Abendlandes. Ich denke, wir haben im Moment um die 1 Million Flüchtlinge bei uns, wahrscheinlich weniger. Das ist immer noch viel, das ist manchmal schwierig, das wird uns noch länger beschäftigen. Aber Sie sollten bedenken, sie kommen aus elenden Verhältnissen, sie wollen hier ein bisschen besser leben, ein bisschen arbeiten. Es mögen auch welche darunter ein, die mal was klauen. Aber mal ehrlich, was bei 1 Million Flüchtlingen in einem Jahr zusammen geklaut wird, das schafft die Chefetage von der Deutschen Bank doch locker in 10 Minuten!

Und wenn es um Betrügereien geht, sage ich nur VW. Und bei Korruption fällt mir sofort der DFB ein. Sie sehen, Deutsche Bank, VW, DFB, was Kriminalität angeht, ist die Bundesrepublik gut aufgestellt, da kommen die Flüchtlinge gar nicht mehr mit.

5) Islamisten

Eins ist für mich selbstverständlich, wenn Straftaten vorliegen, soll und muss ermittelt werden, verhaftet, verurteilt, auch abgeschoben, wenn es der Rechtslage entspricht. Dafür sind wir ein Rechtsstaat und ich bin sehr dafür, dass das so bleibt. Aber bitte setzten sie nicht Flüchtlinge und Zuwanderung mit Terror gleich, das sind zwei verschiedene Angelegenheiten. Ja, es mischen sich vereinzelt Islamisten unter die Flüchtlinge, und natürlich müssen die dingfest gemacht werden.

Ich habe auch schon eine Begegnung mit solchen Typen hinter mir, nicht so tragisch wie in Berlin, aber mir reichte es. Neulich gerate ich in Köln in eine Demonstration von radikalen Salafisten, lauter geifernde Gestalten, schreit der eine mich an: „Bist du ein Christ?“ Ich sage: „Ja“. „Gehst du in die Kirche und betest? „Auch das“. „Kniest du dann nieder vor Jesus, der am Kreuz hängt?“ Ich sage: „Das gehört manchmal dazu.“ „Würdest du auch nieder knien vor unserem heiligen Führer vom IS Al Bagdadi?“ Ich sage: „Selbstverständlich, wenn er auch da hängt!“

Der hat das gar nicht verstanden.

Schön, wenn sie auch an dieser Stelle lachen. Wenn wir aufhören zu lachen, haben die gewonnen. Wenn wir unsere Lebensfreude aufgeben, verkümmern wir in der öden Leere des Fanatismus. In diesem Zusammenhang möchte ich ihnen einen Facebook-Eintrag vorlesen, den ein Berliner Bürger nach dem Attentat auf dem Weihnachtsmarkt gepostet hat:

Passt mal auf, ihr Radikal-Spinner: Das hier ist Berlin. WIR sind Berlin. Wir fahren S-Bahn in der Rush Hour. Wir raunzen, wenn man freundlich zu uns ist. Unsere Taxifahrer sind gefährlicher als jeder Konvertit. Wir meckern an der Supermarktkasse. Wir glauben, dass Union aufsteigt und Hertha in die Champions League kommt. Wir essen Döner und rohen Fisch - zu einem Preis, der garantiert, dass da weder Fisch noch Fleisch drin ist. Bei uns ist Schultheiss ein Bier. Und wir lieben unsere Kinder abgöttisch, selbst wenn sie Laktose-intolerant sind. Was immer das ist. Wir haben neun Monate Winter und gehen nach der Party direkt arbeiten.

Manche von uns sind Türken. Oder Russen. Oder Amerikaner, Pakistani. Oder sogar Baden-Württemberger.

Angst vor Euch?! Dream on, Pussies! Ihr könnt uns mal!

Und ich möchte erinnern an das Titelbild, das Charly Hebdo (siehe hier) nach dem furchtbaren Anschlag 2015 auf ihre Redaktion veröffentlicht hat: ein weinender Mohammed sagt „Tout est pardonné“ - Alles ist vergeben!“

Nach diesem grauenvollen Morden reagiert die Redaktion mit dem urchristlichen Wert der Vergebung. Sehr beeindruckend. Für mich ersetzt dieses Bild zig Stunden Religionsunterricht.

Im Übrigen war das hier das Titelbild nach dem Anschlag im Sommer 2015 in Paris: ein durchlöcherter Körper, aus dem der Sekt strömt mit dem Kommentar „Sie haben die Waffen. Scheiß drauf, wir haben denn Champagner!“ Das ist drastisch, aber es heißt schlichtweg, sie können Millionen von uns umbringen, die Lebensfreude, die Hoffnung, den Glauben und das Gute in uns werden sie nicht zerstören!

6) Neo-Nazis

Wie gesagt, liebe Freunde, wenn Straftaten vorliegen, soll und muss ermittelt werden, innere Sicherheit ist ja gerade das große Thema. Aber ich wünsche mir dann auch konsequente Ermittlung bei dem ganzen rechten Mob, der sich überall breit macht. Die letzten 12 Monate weit über 1000 Angriffe, Brandstiftungen auf Flüchtlingsheime, Reichsbürger erschießen Polizisten, Flüchtlinge werden zu Tode geprügelt. Wenn das die deutsche Leitkultur ist, kann ich gerne drauf verzichten.

Diese glatzköpfigen Sickergruben brauche ich auch nicht hier, und ich sage Ihnen auch warum. Da, wo Deutschland am Dunkelsten ist, sind die Leute nicht die hellsten!

Bei mir im Stadtteil haben Neonazis einen Teppichladen angezündet, weil auf dem Schaufenster stand „100 echte Perser eingetroffen“!

Viele von denen erkennt man nicht mehr an Glatzen und Springerstiefeln, die tragen Anzüge, Kostüme von Dior und sind adrett frisiert. Aber lassen sie sich nicht täuschen, wenn ich einen Liter Kölnisch Wasser über einen Hundehaufen schütte, verändert sich der Geruch, aber nicht der Charakter. Es bleibt immer noch ein Haufen!

7) Flüchtlinge 2

Noch eins zum Thema Flüchtlinge, das LSE, London School of Economics, einer der renommierteste europäischen Universitäten, hat im letzten Sommer in einer Wirtschaftsstudie über Flüchtlingen festgestellt, jeden Euro, den wir in einen Flüchtling investieren, verdoppelt sich innerhalb von 5 Jahren, also für Infrastruktur, Ausbildung, Unterbringung usw. , ergibt eine Rendite von 100 % nach 5 Jahren. Mit ein bisschen Geduld bekommen wir also etwas zurück. Voraussetzung ist allerdings, sagt die Studie ausdrücklich, eine gelungene Integration in unser soziales Leben und in unseren Arbeitsmarkt.

Nur wer soll die vornehmen. Das ist eigentlich die Aufgabe von unserem Innenminister Di Misere. Ich weiß, Politik ist kein Lehrberuf, aber wenn einer so gar nichts kann! Im Bundesamt für Migration stapeln sich die Asylanträge zu 100000en und was macht er? Er ruft im letzten Sommer die Bevölkerung zu Hamsterkäufen auf. Hamsterkäufe? Welche Katastrophe soll denn kommen? Macht Aldi-Süd zu und wir können nicht mehr einkaufen?

Oder im Oktober er hat gesagt, die sächsische Polizei hätte immer alles richtig gemacht. Ich habe so viel Vertrauen in die sächsische Polizei wie in einen Bombenentschärfer mit Parkinson!

Dann im Dezember sein Vorschlag, er will Flüchtlingsboote direkt auf dem Mittelmeer aufbringen und zurück ans Ufer schleppen, nach dem Motto, wenn ihr beim ersten Mal nicht ertrunken seid, schafft ihr es vielleicht beim zweiten Mal!

Und jetzt der riesige Maßnahmenkatalog zu inneren Sicherheit. Er sollte lieber dafür sorgen, dass bestehende Gesetze konsequent angewendet werden und nicht als Vorlage für einen Pannenwettbewerb benutzt werden. Aber nein, er kommt mit dem uralten Vorschlag, die Bundeswehr sollte als Polizei hier bei uns im Inneren eingesetzt werden. Toll, da haben wir demnächst die allgemeine Verkehrskontrolle mit dem Leopard: „Haben sie was getrunken? Blasen sie mal in dieses Rohr!“

Manch einer versucht eben zu glänzen, obwohl er keinen Schimmer hat!

Wie gesagt, ungefähr 1 Million Flüchtlinge sind bei uns und wenn Se immer noch Bedenken haben, dann sollten Sie auch bedenken, wenn Menschen freiwillig in ein Land fliehen, in dem es Wellness-Oasen für Hunde gibt, in dem ein Harald Glööckler unverschleiert rum laufen darf und in dem in einer RTL-2-Sendung Frauen getauscht werden, bei dessen Anblick ich denke, für die hätte man im Orient noch nicht einmal ein dreibeiniges, blindes Kamel bekommen, wenn also Menschen freiwillig in solch ein Land fliehen, denen kann es doch nur ums nackte Überleben gehen!

8) Schluss

Glauben Sie also ruhig daran, dass wir alle das schaffen werden Und lassen Sie dabei denen, die zu uns kommen, ihren Glauben. Glauben Sie an Gott, an Allah, an Buddha oder an das Spagetti –Monster. Glauben Sie aus vollem Herzen, nur, wie schon gesagt, glauben Sie nicht alles. Ich glaube zum Beispiel auch an die Vernunft, an den Zweifel, an das Wissen, an die Erkenntnis und ich finde, Glauben und Wissen schließen sich nicht aus.

Wir leben nun mal in schwierigen und unübersichtlichen Zeiten und es ist manchmal schwer, sich die Orientierung für Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft und Mitgefühl zu bewahren. Ich denke, jenseits von Wissen und Glauben haben wir nur eine Chance.

Manche nennen es Liebe, ich gehe ein paar Stockwerke tiefer und sage, seien sie nett zueinander, seien sie nett zu Ihrer Frau, Ihrem Mann, seien sie nett zu Ihren Kindern, Ihren Freunden, zu den Flüchtlingen in Ihrer Nachbarschaft, und seien sie nett zu sich selbst. Und wenn Sie dann auch noch nett sind zu mir und in einer meiner nächsten Vorstelllungen kommen, dann sind wir schon ein ganzes Stück weiter.

Ich danke Ihnen.

 

24.12.2016, Pfarrer Eckert, Predigt Christvesper Heilig Abend

Predigt von Pfarrer Siegfried Eckert an Heilig Abend in der Pauluskirche.

Fußball-EM: Rudelgucken in der Pauluskirche

Ganz nach dem Motto: Nach der Fußballweltmeisterschaft ist vor der Europameisterschaft versammeln wir uns zum gemeinsamen Fußballgucken bei allen Spielen der deutschen Nationalmannschaft im Kulturcafé Selig. Weitere Übertragungen machen wir vom Turnierverlauf abhängig.

Küster Daniel Müller freut sich über Unterstützung im Thekenteam. Interessierte können sich gerne bei ihm melden.

24.12.2015, Pfarrer Eckert, Predigt Christvesper Heilig Abend

Predigt von Pfarrer Siegfried Eckert an Heilig Abend in der Pauluskirche.

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